Erfahrungsbericht Versuchsingenieur – Im Bereich Elektrotechnik

Vorstellung:

Hallo, mein Name ist Jens, ich bin 37 Jahre alt und arbeite aktuell als Versuchsingenieur im Bereich der Elektro- und Automatisierungstechnik. In meinem „Erfahrungsbericht Versuchsingenieur“ will ich euch Einblicke in meine Tätigkeit und zu meinem Berufseinstieg geben.

Für mich stand schon in der Oberstufenzeit durch mein technisches Interesse fest, nach dem Abitur auch ein technisches Studium aufzunehmen.

„Ich habe mich für die Elektrotechnik entschieden, weil es in meinen Augen ein etabliertes Fundamentalstudium ist, dass einem ein breites Spektrum an Berufsmöglichkeiten eröffnet.“

Ich habe das Studium an einer Universität aufgenommen und den letzten Jahrgang des Diplomstudienganges absolviert, bevor die internationalen Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt wurden.

Fachhochschule vs. Universität:

Das Studium an der Universität ist sehr theoretisch ausgerichtet. Es werden viele Theorien und Formeln hergeleitet und angewendet. Es gibt sicherlich zwischendurch Beispiele zum Praxisbezug in realen System und Anwendungsfällen, vorwiegend jedoch in den begleitenden Übungsstunden.

„Dennoch ist das Universitätsstudium weniger praxisbezogen und bietet in den meisten Fällen weniger Schnittmenge mit den späteren Tätigkeiten im Beruf als ein Fachhochschulstudium.“

Dafür fördert es durch die weitestgehend freie Einteilung der Kurse, kaum Anwesenheitspflicht und die freie Zeit- und Aufwandseinteilung die Selbständigkeit.

Des Weiteren vermittelt das Universitätsstudium für die behandelten Fachgebiete und Forschungsbereiche ein sehr breites fundamentales Grundwissen.

Ich erinnere mich noch an die Aussage eines Professors, der uns sagte: „Die Studenten an der Fachhochschule lernen an Hand von Kochbüchern zu kochen. Die Aufgabe der Universitätsstudenten ist es, die Kochbücher zu schreiben.“

Das ist sicherlich etwas pauschalisiert und überspitzt, es beschreibt dennoch relativ treffend die Unterschiede zwischen den beiden Hochschulformen.

Abschluss des Studiums:

Meine Diplomarbeit habe ich innerhalb der Universität am Institut für Automatisierungstechnik verfasst. Die zuständigen Professoren haben eine Betreuung der Studenten durch ein Unternehmen in der freien Wirtschaft leider ausgeschlossen, welche ich ursprünglich zum Zweck Berufsvorbereitung und auch als Verdienstquelle nutzen wollte.

Ich habe im Institut dennoch ein für mich spannendes Projekt erhalten, in dem ich einen Teststand zur automatisierten Vermessung von Aktuatoren geplant, entwickelt und angewendet habe.

„Dazu war ich als studentische Hilfskraft angestellt, was mir die Möglichkeit bot im gleichen Institut weiter am Projekt mitzuwirken.“

Das Angebot habe ich auch nach Abschluss der Diplomarbeit für einige Monate genutzt um als wissenschaftlicher Mitarbeiter weiter beschäftigt zu sein und während der Jobsuche mein Einkommen zu sichern.

WIe geht es nach dem Studium weiter ?

Die Auseinandersetzung mit dem Berufseinstieg nach dem Studium begann bei mir etwa 2 Jahre vor dem Abschluss.

Orientiert habe ich mich dabei bei Berufsmessen, Onlineportalen und bei Freunden, die schon im Berufsleben standen. Die meisten Rückmeldungen auf den Messen und Jobportalen bekam ich von Personaldienstleistern, die wesentlich stärker als direkte Unternehmen auf Personalakquise sind. Ich habe mir bei mehreren Messebesuchen und Vorstellungsgesprächen deren Dienstleistungsbereich und Einsatzchancen erklären lassen.

„Auch wenn es für Berufsneueinsteiger interessante Aufgabenbereiche und Projekte gibt, hat es mir missfallen, bei Anstellungsbeginn kein festes Einsatzprojekt genannt zu bekommen und als Fremdmitarbeiter nur für die Beauftragungsdauer als Dienstleister in einem anderen Unternehmen tätig zu sein.“

Der erste Job:

Meine erste Stelle habe ich wenige Monate nach dem Studienende bei Airbus in Hamburg-Finkenwerder als Testingenieur angetreten.

Meine Studienschwerpunkte und meine Möglichkeit, zeitnah den Job anzutreten haben mir hierbei geholfen. Da Airbus zu diesem Zeitpunkt kaum unbefristete Mitarbeiter eingestellt hat, habe ich dort einen befristeten Vertrag erhalten, der wiederholt verlängert wurde.

Kurz nach meiner Einstellung hat Airbus neue Mitarbeiter fast ausschließlich über Werkverträge bei Personaldienstleistern zu nicht-tariflichen und unattraktiveren Bedingungen eingestellt.

Ich wurde in einem kleinen Team in meine Aufgaben, dass Arbeitsumfeld und die angewandte Technik eingearbeitet.

„Mein Tätigkeitsfeld war das Durchführen und Auswerten von Integrations- und Systemtests eines elektromechanischen Systems für den Airbus A380.“

Das von einem Zulieferer entwickelte System wurde an unserem Standort an einem Teststand installiert und mit weiteren Systemen sowie simulierten Interfaces in einem Gesamtverbund integriert, und die Funktionen überprüft.

Mit gestiegenen Systemkenntnissen wurde ich darüber hinaus zunehmend in weitere Unternehmensfelder wie der Entwicklung und dem Kundenservice eingebunden.

Neue Herausforderungen:

Nach etwa 4 Jahren bei Airbus habe ich mich nach weiteren Herausforderungen und Perspektiven gesehnt.

Zunächst habe ich abteilungsintern kleine Projekte für andere Flugzeugsysteme mit unterstützt. Da es in dieser Zeit keine umfangreichen Neuentwicklungen gab, die Airbus intern vorangetrieben hat, habe ich auch extern nach Stellenausschreibungen gesucht.

Ohne den unmittelbaren Druck zeitnah eine neue Stelle finden zu müssen, habe ich mich in der Zeit nur auf wenige Ausschreibungen bei Großunternehmen beworben, die zu meiner bisher ausgeübten Tätigkeit passten.

Nach einer Absage bei einem Automobilhersteller habe ich bei einem großen Technologiehersteller ein Stellenangebot als Erfahrungsbericht Versuchsingenieur erhalten.

„Geholfen haben hier meine bisherige berufliche Tätigkeit, meine Erfahrung in einem großen internationalen Unternehmen sowie die Bereitschaft und Flexibilität für neue Aufgaben offen zu sein.“

Auch in dieser Stelle habe ich vom Arbeitgeber einen großen Vertrauensvorschuss bekommen, da ich für die entwickelten Systeme, die hier im Schwerpunkt Software liegen, eine umfassende Einarbeitung brauchte.

Ich habe zunächst ein Jahr wie zuvor bei Airbus in den Bereichen Systemintegration und Systemtests gearbeitet. Das Arbeitsfeld bietet die beste Möglichkeit, neue Systeme und Technologien in der Praxis kennenzulernen.

Wie zu Einstellungsbeginn geplant, habe ich anschließend planerische Aufgaben übernommen. Dazu gehören unter anderem die Einplanung von Kosten und Personal für Testkampagnen, fachliche und terminliche Abstimmung mit der Projektleitung sowie das Erstellen von Zulassungsdokumenten.

„Meine nächsten Entwicklungsschritte innerhalb der Firma sind in einem Entwicklungsplan mit meinen Vorgesetzten abgestimmt.“

Sie beinhalten interne und externe Schulungsmaßnahmen, die Teilnahme an einem Talentförderungsprogramm sowie die Übernahme von weiteren verantwortungsvollen Aufgaben in größeren Projekten.

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