Erfahrungsbericht Projektingenieur – Bei einem Personalvermittler

Vorstellung

Ich heiße Florian, bin 32 Jahre alt und Projektingenieur. Seit sieben Jahren bin ich bei einem Personalvermittlungsbüro in der Arbeitnehmerüberlassung tätig. Mein Spezialgebiet ist die Automobilindustrie. In meinem „Erfahrungsbericht Projektingenieur“ will ich euch Einblicke in meine Tätigkeit und zu meinem Berufseinstieg geben.

„Im Bereich der Fertigung, Montage und Logistik bin ich dafür verantwortlich, Projekte in der Einrichtungs- und Anlagenplanung zu koordinieren.“

Darunter versteht man die Auswahl, Planung und Dimensionierung neuer Anlagen sowie die Analyse und Optimierung bestehender Fertigungs-, Montage- und Logistikanlagen.

Mein Verantwortungsbereich liegt sowohl in der Bewertung technischer Angebote als auch in der Erstellung der Kosten-/Nutzenanalyse für Einzelanlagen oder Fabrikkonzepte.

Das Studium

In meinem Studium (Master of Engineering Maschinenbau) habe ich sehr viel über meine jetzige Arbeit  gelernt.

„Ich muss allerdings auch sagen, dass das Masterstudium mich besser auf das Arbeitsleben vorbereitet hat als das alleinige Bachelorstudium.“

Von vielen Kommilitonen/innen mit Bachelorstudium habe ich mitbekommen, dass der Berufseinstieg nicht einfach war, vor allem der Übergang von der Theorie in die Praxis.

Im Bachelorstudium habe ich viel über die reine Theorie erfahren. Auch hier gab es praxisbezogene Fallbeispiele, die so auch in der Industrie angewandt werden. Aber ich bin sicher: Das Masterstudium hat mich deshalb so effizient auf das Berufsleben vorbereitet, weil es ausschließlich darum ging, alles Gelernte in die Praxis umzusetzen und direkt anzuwenden.

„Der Fokus lag darauf, technische Fragestellungen mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden zu lösen.“

In meiner jetzigen Tätigkeit bin ich hauptsächlich damit beschäftigt, diese Methoden anzuwenden, um unsere Projekte technisch und auch wirtschaftlich umzusetzen.

Der Berufseinstieg

Mein Berufseinstieg forderte mich sehr. Die Wirtschaft in Deutschland ist sehr stark auf Ingenieure ausgerichtet, vor allem die Automobilhersteller sowie deren Zulieferer.

„Dieser Fakt, der sich im Jahr 2018 extrem positiv für junge Ingenieure darstellt, war im Jahr 2010 mitten in der Wirtschaftskrise ein großes Problem für Absolventen.“

Trotz guter Noten und einer sehr guten Masterthesis haben die Unternehmen mich nicht – wie erwartet – mit offenen Armen empfangen. Ich habe unzählige Bewerbungen geschrieben, die Absagen flatterten nur so rein.

Arbeiten beim Ingenieurdienstleister

Der letzte und für mich unangenehmste Weg war, die Bewerbung bei einem Ingenieurdienstleister (Zeitarbeitsfirma für Ingenieure), denn ich wollte mich nicht damit zufrieden geben, mit einem Masterabschluss in einer Leiharbeitsfirma zu arbeiten.

„Ich war frustriert: Jahrelang wird einem erzählt, wie wichtige eine gute Qualifikation ist und wie hoch die Chancen sind, nach einem Ingenieursstudium gleich ins Berufsleben starten zu können.“

Nun stand ich da: Nur Absagen in der Hand und einer Bewerbung an einen Personaldienstleister. Schnell habe ich auch eine Rückmeldung mit einer Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekommen. Ich war verblüfft und hatte das Gefühl, endlich eine Art Wertschätzung für das Geleistete zu bekommen.

Mit gemischten Gefühlen ging ich zum Vorstellungsgespräch. Es war sehr professionell und ich könnte mir vorstellen, dass manche Vorstellungsgespräche in anderen Firmen nicht so professionell ablaufen wie dieses.

„Die Leistungen waren ebenfalls sehr gut, und das Gehalt war durchaus o.k.! Im Direkteinstieg wäre das Gehalt, abhängig vom Unternehmen, etwas höher ausgefallen, dennoch lag es immer noch knapp über dem Durchschnittseinkommen für Berufseinsteiger in der Branche.“

Meine ersten Tage im Job waren super. Ich lernte meine Kollegen kennen, die Systeme, die Aufgabenbereiche und tatsächlich hatte ich nicht das Gefühl, bei einem Personaldienstleister zu arbeiten. Ich fühlte mich von Beginn an sehr wohl in der Abteilung und im Unternehmen.

„Mein Team und ich haben ein Projekt erarbeitet, das später an den Auftraggeber übergeben wurde.“

Es war nicht anders wie in einer „richtigen“ Firma, alle hatten den selben Spirit und ein gemeinsames Ziel.

Direkt vor Ort

Nach etwa einem Jahr bekam ich das Angebot, als Projektingenieur direkt beim Auftraggeber vor Ort zu arbeiten. Ein Unterschied war, dass mein Team nun aus festangestellten Mitarbeitern der Firma bestand und nicht mehr aus den Kollegen des Dienstleistungsunternehmens.

Nun saß ich also mit „richtigen“ Ingenieuren an einem Tisch. Ich sage „richtig“, weil das nun diejenigen waren, die genau das verdienen, was ich hätte verdienen können: wegen eines Tarifvertrags und all den zusätzlichen Leistungen, die die Firma bietet. Dies war der Moment, an dem ich doch ins Grübeln kam.

„Auch in dieser Firma haben mich meine Kollegen herzlich aufgenommen und ich hatte nie das Gefühl, nicht einer von ihnen zu sein.“

Nach ein paar Wochen merkte ich, dass ca. 40% der Ingenieure ebenfalls von Ingenieurdienstleistern angestellt waren; die Zeiten in der Branche hatten sich tatsächlich gewandelt. Ich habe mich dann auch nicht mehr schlecht gefühlt, weil ich weniger verdiente als die festangestellten Kollegen.

Die Aufgabenbereiche, denen ich zugeordnet war, waren dieselben und auch die Wertschätzung war dieselbe.  Nur eben das Gehalt war nicht dasselbe.

„Das hat sich mittlerweile gesetzlich durch das „equal pay“ geändert. Nun werden Gehaltsanpassungen vorgenommen, d.h. das Gehalt wird an das Ingenieursgehalt, das die Firma zahlt, angepasst.“

Dies geschieht zwar gestaffelt, ist aber doch sehr positiv.

Fazit

Ich persönlich habe damals falsch und sehr negativ über Personaldienstleister gedacht.

„Heute kann ich sagen, dass es meinen Blickwinkel erweitert hat und ich es sogar sehr gut finde, in verschiedenen Projekten arbeiten zu dürfen, denn das ist sehr abwechslungsreich und lehrreich.“

Tipps & Tricks

Eine besonders wichtige Fähigkeit als Projektingenieur ist es, lösungsorientiert zu denken.

„Wem es Spaß macht, Probleme anzunehmen, diese zu untersuchen und anschließend Lösungen zu finden, wird sich in dieser Welt sicherlich wohl fühlen.“

Ein technisches Verständnis ist natürlich notwendig, um nicht ganz verloren da zu stehen.

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Weitere Infos zu diesem Thema:

Studis online: „Headhunter“ bzw. Personalvermittler – Erfahrungen?!

 

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