Erfahrungsbericht Produktionsleiter – In der Farbherstellung

Vorstellung

Hallo, ich heiße Michel und bin 33 Jahre alt. Seit neun Jahren arbeite ich in einem Chemiekonzern, mittlerweile in der Position des Produktionsleiters. In meinem „Erfahrungsbericht Produktionsleiter“ will ich euch Einblicke in meine Tätigkeit und zu meinem Berufseinstieg geben.

Das Unternehmen ist Spezialist bei der Herstellung von speziellen Farbmischung für Wandfarben und Lacke. Ich bin dafür verantwortlich, dass die Mitarbeiter sowie mein Team in sicheren Verhältnissen arbeiten, d.h. ich kontrolliere die Luft auf Schadstoffe und achte darauf, dass im Unternehmen die Belastungen so gering wie möglich sind.

„Darüber hinaus optimiere ich die Produktionsbereiche und bereite Anlagen für die Herstellung unserer Produkte vor.“

Auch das Warten, Reparieren und Reinigen gehört zu meinen Aufgaben.

Die Ausbildung

Mein Berufsweg begann mit einer Ausbildung zum Chemikant. Als Azubi im gewerblichen Bereich ist man am Anfang alles andere als nur Chemikant. Ich hatte mich schon darauf eingestellt, Tätigkeiten auszuüben, die man heutzutage „klassische Azubiarbeit“ nennt. Und so kam es dann auch: mal den Kaffee holen, mal zum Bäcker gehen …

Während der Ausbildung und auch danach habe ich hauptsächlich Vorarbeiten geleistet, z.B. den Bestand der Maschinen aufgefüllt oder Farbpulver gemessen.

„Ganz interessant war es im Chemielabor. Hier habe ich viel über Mischtechniken kennengelernt, das hat mir sehr viel Spaß gemacht.“

Da ich aber eher der Macher bin und nicht der Labortyp, habe ich mich in der Produktion wohler und aktiver gefühlt.

Weiterbildung zum technischen Betriebswirt

Wie gesagt bin ich seit meiner Ausbildung in der Chemiebranche tätig. Die Weiterbildung zum technischen Betriebswirt ermöglichte mir, die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge zu erlernen und das Unternehmen sowohl im technischen Bereich als auch bei wirtschaftlicher Themen noch besser zu unterstützen.

„Die technischen Inhalte der Weiterbildung zum technischen Betriebswirt hatten nicht wirklich Bezug zur Chemiebranche, da viele Dozenten aus anderen industriellen Zweigen kamen.“

Deshalb konnte ich das während der Weiterbildung erworbene technische Know-How nur selten in meinem jetzigen Job anwenden.

Die betriebswirtschaftlichen Fächer beinhalteten Kalkulationen in der Kosten- und Leistungsrechnung sowie volkswirtschaftliche Themen, speziell im Bereich Angebot und Nachfrage. Letzteres war sehr interessant für mich, da sich im produzierenden Gewerbe alles um Angebot und Nachfrage dreht.

„Durch meine Erfahrung im Beruf war ich sehr überrascht, wie weit sich die theoretische BWL in vielen Bereichen von der Realität entfernt.“

Jedes Unternehmen hat seine eigene Unternehmenskultur, und auch Prozesse sind in jedem Unternehmen unterschiedlich. Daher kam es mir manchmal so vor, dass in der BWL zwar der Idealismus gepflegt wird, aber nicht der Realismus.

Meine Erwartung an die Weiterbildung war es, tiefere Einblicke darüber zu erhalten, wie technische und betriebswirtschaftliche Themen zusammenhängen. Außerdem hatte ich den Wunsch, Fähigkeiten für leitende Positionen zu erwerben, was allerdings nur zum Teil erfüllt wurde.

„Nebenkurse, wie z.B. der Ausbildereignungsschein halfen mir, auf die künftige Position vorbereitet zu werden.“

Ich hätte mir gewünscht, dass gerade dieser Nebenkurs zu einem Hauptfach werden würde, da es genau um das ging, was 90% meiner Kollegen/innen betraf: Nämlich die Softskills zu erweitern und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie man ein Team leitet. Alles in allem war die Weiterbildung auf jeden Fall der richtige Schritt und hat mich in vielen Bereichen weitergebracht.

Aktuelle Position

Nachdem ich meine Weiterbildung absolviert hatte kam ich zu meiner jetzigen Position als Produktionsleiter. Was mich am meisten fordert ist die Verantwortung gegenüber meinem Team, aber auch der Chefetage.

„Das schwierigste war es für mich, den Druck auszuhalten: Einerseits hat man sein Team, das tolle Arbeit leistet, und auf der anderen Seite hat man das Management, das nur auf Zahlen, Daten, Fakten aus ist.“

Es ist wichtig, dass man diesen Druck nicht an das Team weitergibt. Das Handling der beiden Seiten, also des Teams und der Chefetage, fiel mir am Anfang sehr schwer.

Jetzt, nachdem ich seit vier Jahren in der Position arbeite, fällt es mir viel leichter damit umzugehen.

„Eins muss einem nämlich immer klar sein: Wenn das Team sein Beste tut und nicht mehr zu erwarten ist, dann muss man sich damit abfinden und das auch so an das Management weiterleiten.“

Es gibt einfach Einflussfaktoren, die nicht zu ändern sind.

Tipps & Tricks

Ehrgeiz ist immer gut, vor allem am Anfang, um sich im Unternehmen zu etablieren. Allerdings würde ich empfehlen, nicht alles zu ernst zu nehmen und sich nicht unter Druck setzen zu lassen.

Bei vielen Neulingen oder Azubis merke ich oft die enorme Willenskraft, nun endlich etwas erreichen zu wollen. Das ist sehr gut und für das Unternehmen definitiv notwendig.

Das gesunde Maß sollte jedoch stimmen, nämlich sich auf die aktuelle Aufgabe zu konzentrieren und diese wertzuschätzen; nur so kann man weiterkommen und nicht, in dem man sofort alles will.

Falls Dir der „Erfahrungsbericht Produktionsleiter“ von Michel gefallen hat, interessieren Dich vielleicht auch diese Artikel:

Erfahrungsbericht Montageleiter – In China, von Matthias

Weitere Infos zu diesem Thema:

SeminarCHECK: Produktionsleiter – Vorbereitungslehrgang (IHK)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.