Erfahrungsbericht Biologin – Selbstständig als Redakteurin

Vorstellung:

Hallo, mein Name ist Eva, ich bin 58 Jahre alt und Diplom-Biologin. In meinem „Erfahrungsbericht Biologin“ will ich euch Einblicke in meine Tätigkeit und zu meinem Berufseinstieg geben.

Seit ca. 25 Jahren arbeite ich als freiberufliche Redakteurin für mehrere naturwissenschaftlich ausgerichtete Verlage. Ich lektoriere Texte für Bücher, Informationsschriften sowie online-Portale und gestalte am Computer unterschiedlichste Publikationsmedien und Illustrationen.

Ausbildung & Perspektiven:

Mein Berufsweg begann nach dem Besuch der Realschule 1976, als ich mit 16 Jahren eine Lehre als Kartografin anfing.

„Bereits während der 3-jährigen Ausbildung und vor allem in der ersten Zeit der Berufstätigkeit erkannte ich, dass ich keine Lust hatte, diesen Beruf mein Leben lang auszuüben.“

So entschloss ich mich mit 21, auf dem Abendgymnasium das Abitur nachzuholen. Danach wollte ich studieren, war allerdings zunächst unschlüssig, welches Studium ich einschlagen sollte.

Mitte der 80er Jahre waren Waldsterben, Ozonloch, Atomkraft und Umweltzerstörung wichtige Stichworte, und so entschloss ich mich, irgendwas „mit Naturschutz und Ökologie“ zu studieren.

Mein bevorzugter Studiengang Landespflege war allerdings mit einem zu hohen NC belegt, sodass ich mich für Biologie an der Uni Hohenheim bewarb und dort auch ohne Wartezeit einen Studienplatz bekam.

„Wegen meiner früheren Berufstätigkeit erhielt ich elternunabhängiges Bafög.“

Da ich mit 19 von zuhause ausgezogen war und allein wohnte musste ich mir während der gesamten Studienzeit im grafischen Bereich etwas dazu verdienen. Dies sollte sich für meine spätere Berufstätigkeit als günstig erweisen.

Aller Anfang ist schwer:

Das Studium fand ich zunächst anstrengend und frustrierend, da ich am Abendgymnasium nur ein Schmalspurabitur absolviert hatte.

Man musste sich beispielsweise zwischen Chemie oder Biologie entscheiden, beides zugleich ging nicht. Da ich Biologie gewählt hatte musste ich mir den ganzen Chemiebereich während des Studiums selbst aneignen.

Außerdem waren wir Mitte der 1980er Jahre sehr viele Studenten und ich hatte den Eindruck, dass die weniger Entschlossenen durch anspruchsvolle Prüfungen regelrecht ausgesiebt werden sollten.

„Als Kind aus einem Arbeiterhaushalt fühlte ich mich außerdem oft den eloquenten Akademikerkindern unterlegen und spielte daher in den ersten Monaten häufig mit dem Gedanken, das Studium abzubrechen.“

Außerdem erkannte ich, dass ich mit meinen romantischen Vorstellungen, “irgendwas mit Naturschutz machen“ zu wollen auf ein recht verkopftes Gebiet gestoßen war, in dem mir die Chemie- und Biologie-Leistungskursleute viel Wissen voraus hatten. Das 1. Ziel war also erstmal das Vordiplom und das Erreichen der dafür nötigen „Scheine“. Um den Schein für das Praktikum in organischer Chemie zu erhalten benötigte ich dann auch drei Anläufe.

Fokussierung im Studium:

Nach dem Grundstudium wurde es besser, da man sich nach Neigung spezialisieren konnte.

Mein anfängliches Interesse für Naturschutz und Ökologie hatte sich mittlerweile in Richtung Parasitologie verschoben, besonders interessierte mich hier der medizinische Aspekt.

Im Parasitologielabor begann ich dann meine erste Diplomarbeit, in der ich die Immunreaktionen von genetisch veränderten Rennmäusen bei Fadenwurmerkrankungen untersuchen sollte.

Allerdings hatte ich keinen konkreten Plan, wie es danach weitergehen sollte.

„Das Treffen von Entscheidung wurde mir dann durch meine Schwangerschaft abgenommen.“

So brach ich nach einigen Wochen die Arbeit in der Parasitologie ab, da ich das Ungeborene nicht Labordämpfen und Krankheitserregern aussetzen wollte.

Nach der Geburt meines Sohnes beendete ich das Studium mit einer Diplomarbeit über die mögliche Indikatorfunktion von Laufkäfern auf unterschiedlich bewirtschafteten Ackerflächen.

Der Weg in die Selbstständigkeit:

Während der Schwangerschaft reifte in mir der Plan, selbstständig von zuhause aus zu arbeiten.

Da ich während der gesamten Studienzeit freiberuflich in einem Grafikatelier tätig war, konnte ich mir viele Kenntnisse im damals aufkommenden „desk top publishing“ (DTP = computerunterstützte Erstellung von Publikationen mit Hilfe von Satz- und Grafikprogrammen) aneignen.

Heute arbeitet fast jeder mit solchen Programmen, aber in den 1990er Jahren war man im Grafikbereich noch häufig analog zugange, ich gehörte also sozusagen zu den Computerpionieren.

„Jedenfalls hatte ich die Idee, Biologie und Grafik unter einen Hut zu bringen und so bewarb ich mich als freiberufliche Redakteurin bei naturwissenschaftlich orientierten Verlagen.“

Die in den 90er Jahren beginnenden Veränderungen im Verlagsbereich kamen mir dabei zugute, und durch „learning by doing“ konnte ich relativ schnell als Freiberuflerin Fuß fassen und diese Tätigkeit bis heute beibehalten.

Es geht los!

Die Bewerbungen bei den Verlagen waren mir zunächst unangenehm, da ich weder Erfahrungen im Verlagswesen noch in der Selbstpräsentation hatte.

Bei einem meiner ersten Telefonate hatte ich das Glück, auf die Cheflektorin eines wissenschaftlichen Verlags zu treffen, bei der das Stichwort DTP sofort Interesse weckte.

„Nach den ersten einfacheren Aufträgen folgten anspruchsvollere, was mir zu mehr Selbstsicherheit verhalf.“

Es gefiel mir, als externer Mitarbeiter einen großen Freiraum zu haben, beispielsweise meine Arbeitszeit selbst einteilen zu können.

Familie und Selbstständigkeit:

Ein großer Stressfaktor war die Kinderbetreuung: In den 90er Jahren war das noch schlechter organisiert als heute, und ich musste neben dem Kindergarten noch zusätzlich eine Tagesmutter organisieren, um in Ruhe arbeiten zu können.

„Viel Freiraum zu haben bedeutete leider auch, dass Fehler nicht von einem Arbeitgeber aufgefangen wurden.“

Manche Aufträge erwiesen sich beispielsweise als so zeitaufwändig, dass der Stundenlohn letztendlich viel zu gering war. Ein weiterer Stressfaktor waren Zeiten, in denen Aufträge ausblieben. Während dieser Durststrecken habe ich mich mit kleineren Jobs über Wasser gehalten, z.B. in der Nachbarschaftshilfe.

Dennoch fand ich es klasse, mein eigener Herr zu sein und war immer froh, wenn ich nach einem Kundengespräch im Verlag wieder in mein Homeoffice abtauchen konnte.

Lehren & Erfahrungen:

Ich denke, dass sich durch die alleinige Verantwortung für meinen Sohn meine bereits vorhandene Hartnäckigkeit verstärkt hat und ich gelernt habe, mich und mein Umfeld noch besser zu organisieren und effektiv zu sein.

„Zu meiner Selbstständigkeit kann ich sagen, dass es eine gute Entscheidung war, denn ich kann daheim arbeiten, bin mein eigener Chef und kann mich dem Gefühl hingeben, jederzeit aussteigen zu können.“

Das sind mein stärksten Beweggründe, die mir helfen, Phasen der Mutlosigkeit (also keine Aufträge haben und damit verbundene Geldknappheit) zu überstehen.

Was würde ich Berufseinsteigern raten?

Damit der Einstieg in den Job einigermaßen reibungslos klappt ist es wichtig, eigene Fähigkeiten realistisch einzuschätzen, zuzuhören (was will der Kunde), bereit zu sein zum „learning by doing“, unkonventionell zu denken sowie Chancen zu erkennen und zu ergreifen – man trifft eigentlich immer auf Menschen, die einen fordern und fördern.

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